Die Wehrkirchen von Siebenbürgen

Über Siebenbürgen

Überall in Rumänien befinden sich befestigte Dörfer und vor allem Wehrkirchen. Wieso wurden Kirchen, eigentlich Symbol von Frieden und christlichen Werten, befestigt? Was hat sich dort abgespielt, dass die Kirche es für nötig hielt, aus kleinen Kapelle und Kirchen Festungen zu machen?

Ungarn und Siebenbürgen Sachsen

Um zu verstehen, wieso die Region so einzigartig in ihrer kirchlichen Befestigungs-Politik ist, müssen wir zurück in das 12. Jahrhundert. Königreich Ungarn, zu der Zeit eine durchaus beachtliche Macht, hatte externe Probleme. Türkische Sultane aus dem Morgenland eroberten immer mehr Ländereien und eine Invasion Europas stand bevor. Gerüchte aus dem Osten sprachen von einer unaufhaltsamen Plage in Form der Tataren. Und das Heilige Römische Reich führte regelmäßig Raubzüge an der Grenze.

Um dem entgegenzustehen, gewährte der ungarische König den deutschstämmigen Siebenbürger Sachsen besondere Privilegien: Ländereien, Geld und Macht. Dafür forderte der König die Sicherung der südöstlichen Grenze. Und die neuen Siedler fingen gleich an: Dörfer wurden befestigt, Kirchen zu Festungen, neue Burgen wurden errichtet. Eingerichtet und finanziert durch die ungarische Krone waren diese Burgen imposant. Dicke Mauern und Wehrzinnen gaben den Verteidigern einen klaren Vorteil gegen alle möglichen Angriffe. Durch den plötzlichen Reichtum wurden diese neuen Fürsten mächtig und ließen sich die Burgen dementsprechend fürstlich einrichten.

Samt und teure Stoffe, riesige Wandteppiche, Reliquien – heute würde man zu Ikea gehen und ikea ektorp bezug kaufen, die Einrichtungen früher waren imposant und in der damaligen Zeit komplett selbstgefertigt.

Mongolen und Türken

In den 1220er-Jahren kam dann der Sturm. Die Mongolen, damals noch Tataren genannt, fielen erst über die russischen Fürstentümer her und vernichteten eines nach dem anderen, mit der Ausnahme Nowgorods, dass klever politisch manövrierte und so dem Schlimmsten entkam. 1240 fiel die Kiewer Rus und damit war der Weg frei in das Königreich Ungarn. Ein Jahr später kam der Tatarensturm zu den Siebenbürger Sachsen. Trotz der Bemühungen der ganzen Christenheit wurde der ungarische König mit seinem Ritterheer besiegt. Die Siebenbürger Sachsen hingegen, die ein Jahrhundert Zeit hatten sich vorzubereiten, verteidigten sich tapfer. Und dann, 1242, zogen die Mongolen wieder ab. Aber die Region war verwüstet. Angst vor einem weiteren Angriff war der Anlass, die ohnehin schon stark befestigten Burgen und Dörfer zu echten Bollwerken auszubauen.

1395, also mehr als fünfzig Jahre vor dem Fall Konstantinopels, waren die Osmanen weit in die Karpaten vorgedrungen und griffen immer wieder die Siebenbürger Sachsen an. Aufgrund dieser Bedrohung bat der ungarische König nach einem neuen Kreuzzug. Dieser endete aber 1396 im Desaster bei der Schlacht von Nikopolis. Die Osmanen schienen unbesiegbar. Bald schon rückten die osmanischen Truppen zur Donau vor und belagerten sogar Wien.

Aber in der Region der Siebenbürger Sachsen nahm der Widerstand auch weiter zu. Die Bürgerwehr der Region verlangsamte den türkischen Vormarsch sehr. Sogar ein gewaltiger Überraschungsangriff der Osmanen konnte 1493 abgewehrt werden.

Noch heute sind die Siebenbürger Befestigungsanlagen zu sehen. Sie haben jeden Ansturm überdauert und sind heute Weltkulturerbe.