Die Herkunft der Siebenbürger Sachsen

Über Siebenbürgen

Sind deutsche Ortsnamen ein Indiz für ihre Herkunft?
Zur Herkunft der Siebenbürger Sachsen haben Wissenschaftler im Laufe der letzten Jahrhunderte viele Theorien aufgestellt und wieder verworfen. Sicher sind sie sich jedoch alle, dass die Siebenbürger Sachsen weder aus einem eng abgegrenzten Raum kamen, noch in einer erheblich großen Zahl auswanderten. Ob alle deutschen Siedler wirklich nach Siebenbürgen gezogen sind, ist auch fraglich. Es zwar nicht unüblich, dass Orte der Kolonisten nach ihren Begründern benannt wurden, jedoch sind sich die Wissenschaftler nicht sicher, ob Ortsnamen wie Broos, Hetzeldorf, Groß- und Kleinpold oer Trappold wirklich ein Indiz für die Ansiedlung deutscher Siedl er ist.

Ihre Namensgebung
Im Jahre 1186 werden erstmals die „fremden Gastsiedler des Königs von jenseits der Wälder“ erwähnt, 1191 ist dann von der „ecclesia Theutonicorum Ultrasilvanorum“ die Rede, im Jahre 1192-1196 werden sie dann „priores Flandrenses“ genannt und 1206 fällt das erste Mal die Bezeichnung „Saxones“, der sich in der ungarischen Sprache durchsetzt und die Siebenbürger bis heut als „Sachsen“ tituliert. Dieser Begriff ist allerdings schwierig, da jeder, der Inhaber von Privilegien ist, im mittelalterlichen Ungarn als „Sachse“ bezeichnet wird. Es galt also als Synonym für einen Rechtsstatus und deutet nicht unbedingt auf einen Herkunftsnamen hin.

Linguistische und liturgische Untersuchungen geben Aufschluss über die Herkunft
Anhand der Mundartforschung wurde versucht, das Ausreisegebiet der Siebenbürger Sachsen zu ermitteln. Dabei stieß man meist auf signifikante Ähnlichkeiten mit dem „Letzelburger Platt“, sodass der moselfränkischen Raum als „Urheimat“ deklariert wurde. Untersucht man die Dialekte jedoch genauer, sind Auffälligkeiten mit dem Bairischen sowie dem Nord- und Mitteldeutschen erkennbar. Um die Verwirrung zu komplettieren, fand man bei liturgiegeschichtlichen Untersuchungen in mittelalterlichen Messbüchern aus Siebenbürgen nicht nur viele Parallelen zur Kirchenprovinz Köln, sondern auch aus dem Magdeburger Raum.

Archäologische Funde geben Aufschluss über die Herkunft
Ein Keramikgefäß, das als graue Keramik bekannt wurde, gab Archäologen Aufschluss darüber, dass die Nordsiebenbürger aus Mitteldeutschland stammen müssten, wohingegen ein Kultgefäß aus Schellenberg wiederum auf Riethnordhausen in Thüringen als Herkunftsort hinweist. Gleichzeitig wird dieses Gefäß mit einer Hildesheimer Werkstatt in Verbindung gebracht. Betrachtet man sich die Bauweise der Häuser der Siebenbürger Sachsen, erinnert diese stark an die süddeutsche Romantik der Kirchen in Franken. Ferner deuten die Ähnlichkeit zweier Grabsteine in Faha (bei Trier) und Heltau (bei Hermannstadt) auf eine andere Herkunftsrichtung.

Theutonici, Saxones und Romanen
Zu den Siedlern Siebenbürgens gehörten neben Theutonici und Saxones auch Romanen aus den westlichen Gebieten des Deutschen Reiches, sowie Flandrenses und Latini mit romanisch-wallonischer Herkunft.