Die Mundart der Siebenbürger Sachsen

Über Siebenbürgen

Wie klingt das Sächsisch der Siebenbürger Sachsen? Es scheint eine Mischung aus niederländischen Lauten, Schweizerdeutsch sowie Alt- und Mittelhochdeutsch zu sein. Doch mit welchen Sprachen ist die Mundart der Siebenbürger Sachsen wirklich verwandt und woher kommt sie?

Verwandte Sprachen
Ebenso wie das Luxemburgisch (Letzebarjeresch) und das Trierische ist auch die siebenbürgische Mundart eine moselfränkische Mundart, die Teil eines Dialekts war, der im Mittelalter gesprochen wurde. Damals gehört das Gebiet um das Erzbistum Köln und Luxemburg dazu. Das Siebenbürgisch-Sächsisch hat sich mit Luxemburgisch als Reliktmundart erhalten. Durch Umsiedlung und Isolation hat sich die siebenbürgische Mundart jedoch im Laufe der letzten 800 Jahre verändert und wird im Alltag durch Hochdeutsch ersetzt. Darüber hinaus hat sich der Dialekt in den unterschiedlichen Gebieten verschiedenen entwickelt, sodass eine Verständigung in siebenbürgischer Mundart mit den verbliebenen Sprechern teilweise Komplikationen aufweisen kann.

Merkmale
In der reinen Klassifikation betrachtet man die siebenbürgische Mundart als westmitteldeutsch geprägte Mundart, die als Kolonistenmundart eine Vielzahl an mittelalterlichen Sprachformen aufweist. Siebenbürgen gilt als eine der ältesten und weitest entfernten mittelalterlichen Sprachinseln in Osteuropa. Aufgrund der Tatsache, dass die Siebenbürger Sachsen in vielen Ortschaften in Siebenbürgen gelebt haben, hat die Mundart in jedem Gebiet eine andere Entwicklung eingenommen. Somit kann der Dialekt bereits von Ort zu Ort stark variieren. Auffällig ist jedoch, dass die Mundart sehr vokallastig ist.

Gedicht in Mundart
Der gebürtige Hermannstädter und Gymnasiallehrer Karl Gustav Reich verdeutlicht in seinem Gedicht „Mottersproch“ (Muttersprache), wie wichtig diese für ihn ist.

„Et git vill Sprōchen än der Wält.

Wävill, äs wärlich en schwer Frōch.

Doch well um bēsten ās gefällt

äs leicht ze sōn: ās sachsesch Sprōch.“

Durchsäckt de Wält un allen Ängden,

en hiescher Sprōch wärd ir net fängden.

Wo gēw af deser Iėrd et noch

en kärn’jer, ousdracksvoller Sprōch?

Hochdeutsch oder Mundart?
Einst wurde auf Sächsisch und in Hochdeutsch in Kirchen gepredigt, doch seit der Reformation ist Hochdeutsch die Amtsprache der Siebenbürger Sachsen. Als Schriftsprache sowie im Bildungsbereich ist Hochdeutsche stets dominierend gewesen, wobei die Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen deutsche Schulen besucht haben. Diese Schulen sind bis heute auch unter der rumänischen Bevölkerung sehr beliebt, da sie für einen hohen Bildungsanspruch bekannt sind. Bis zum 19. Jahrhundert wurde allerdings in den Schulen neben Hochdeutsch auch Sächsisch gesprochen. Nichtdestotrotz wurde die Mundart meist auf den Privatbereich sowie die Alltagssprache auf der Straße beschränkt.

Selbst wenn die Mundart gekonnt neben der Hochsprache existieren konnte, blieben sie dennoch streng voneinander getrennt. Das liegt vor allem daran, dass die Unterschiede hinsichtlich Phonetik, Morphologie und Lexik groß sind.

Eine Mundart die ausstirbt
Da die Siebenbürger Sachsen heute hauptsächlich in Deutschland, Österreich, der Schweiz und vielen anderen Teilen der Welt leben, sprechen sie kaum noch ihre siebenbürgische Mundart. Demzufolge stirbt im Laufe der Zeit eine alte deutsche Kultur inklusive ihrer Sprache langsam aus. Bereits der aus Siebenbürgen stammende Schriftsteller, Schulreformer und Politiker Stephan Ludwig Roth schrieb über die Bedeutsamkeit der Muttersprache und ist der Meinung, dass mit dem Verlust der Sprache auch Nationalität und Nation selbst erlischt: „Ohne Mundarten wird der Sprachleib ein Sprachleichnam“.